Der Verlust von Ulmen aus dem Stadtbild bedeutete für viele europäische Städte nicht nur einen biologischen Einschnitt, sondern auch einen stadtgeschichtlichen. Ulmen prägten seit dem 18. Jahrhundert Alleen, Parks und historische Straßenzüge. Heute stehen die Kommunen vor der Frage, ob und wie die Ulme — in neuer resistenter Form — in das Stadtgrün zurückkehren kann.
Ausgangslage: Was die Graphiose hinterlassen hat
Der Umfang der Verluste variiert stark je nach Stadt. Hamburg, mit seinem früher bedeutenden Ulmenbestand in Straßen des späteren Stadtgebiets, hat über Jahrzehnte große Teile seiner Ulmenreihen verloren und sie meist durch Linden, Platanen oder Ahorne ersetzt. Berlin besitzt noch einige erhaltene alte Ulmenexemplare — unter anderem im Schlosspark Charlottenburg —, doch diese sind eher Relikte als ein zusammenhängender Bestand. Düsseldorf und Köln haben ähnliche Erfahrungen gemacht.
Die Konsequenz: Viele städtische Baumkataster verzeichnen eine Artendominanz weniger Baumgattungen, was aus ökologischer Sicht als Risikofaktor gilt. Eine höhere Artenvielfalt — wie sie durch die Wiedereinführung resistenter Ulmen erzielt werden könnte — macht das städtische Gefüge widerstandsfähiger gegenüber zukünftigen Schadereignissen.
Planungsgrundlagen für Ersatzpflanzungen
Bevor ein Stadtbaum gepflanzt wird, durchläuft er in professionellen kommunalen Verwaltungen eine mehrstufige Eignungsprüfung. Dabei werden typischerweise folgende Faktoren berücksichtigt:
- Standortbedingungen: Bodentiefe, Versiegelungsgrad, Grundwasserstand, Salzeintrag durch Straßenwinterdienst
- Kronenraum: Verfügbarer Luftraum über dem Baum unter Berücksichtigung von Verkehrsinfrastruktur und Gebäudehöhen
- Pflegeaufwand: Baumscheibengröße, Bewässerungsbedarf in der Anwachsphase, späterer Schnittbedarf
- Klimaresilienz: Trocken- und Hitzetoleranz, Beurteilung anhand von Stadtklimakarten
- Schaderregerresistenz: Neben Graphiose auch allgemeine Disposition gegenüber anderen Schadorganismen
Kommunale Ansätze in Deutschland
Baumartenlisten und Empfehlungskataloge
Mehrere deutsche Großstädte pflegen offizielle Stadtbaumlisten, die auf Grundlage langjjähriger Erfahrungen und aktueller Forschungsergebnisse entwickelt wurden. Die Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) veröffentlicht regelmäßig aktualisierte Strassenbaumempfehlungen, die auch resistente Ulmenklone aufnehmen können. Unter galk.de sind aktuelle Listen einsehbar.
Pilotpflanzungen
Einige Städte haben bereits Pilotpflanzungen mit resistenten Klönen durchgeführt, um deren Eignung unter lokalen Bedingungen zu prüfen. Diese Pflanzungen sind in der Regel in Baumbelegungsplänen dokumentiert und werden über mehrere Jahre beobachtet. Erfahrungsberichte aus diesen Maßnahmen fließen in überarbeitete Empfehlungskataloge ein.
Baumschutzverordnungen
Wo Bestandsulmen aufgrund von Baumschutzverordnungen nicht einfach gefällt werden dürfen, müssen kommunale Behörden einen genehmigten Verfahrensweg einhalten. Nach dem Fällen einer Schutzbaum-Ulme gelten in vielen Bundesländern Ersatzpflanzungspflichten, die in Ausgleichssatzungen geregelt sind.
Technische Aspekte der Pflanzung
| Phase | Maßnahme | Zeitraum |
|---|---|---|
| Bodenanalyse | pH-Wert, Nährstoffgehalt, Bodenverdichtung messen | Vor Pflanzung |
| Pflanzgrubenvorbereitung | Pflanzgrube mind. 2×2×1 m, Drainageschicht einbauen | Vor Pflanzung |
| Auswahl der Pflanzqualität | Hochstamm, mind. 3xv, Stammumfang ≥ 18-20 cm | Vor Pflanzung |
| Anwachsbewässerung | Wöchentlich, mind. 200 l/Baum bei Trockenheit | Erste 3 Jahre |
| Baumkontrolle | Jährliche Sichtprüfung nach FLL-Baumkontrollrichtlinien | Laufend |
| Schaderregerkontrolle | Auf Graphiose-Symptome prüfen, ggf. Probe einsenden | Ab Jahr 3 |
Klimawandel und Stadtbaumplanung
Die Planung von Ersatzpflanzungen erfolgt heute nicht ohne Blick auf prognostizierte Klimaveränderungen. Trockenere Sommer und wärmere Stadtklimate erfordern Bäume, die mit Wassermangel umgehen können. Resistente Ulmenklone wurden zwar primär auf Graphiose-Resistenz gezüchtet, aber neuere Selektionen wie Rebona werden auch auf Trockenheitstoleranz geprüft. Dies macht die Ulme zu einem möglicherweise zukunftsfähigeren Stadtbaum, als es die Verluste der Vergangenheit vermuten lassen.
Fachliche Orientierung: Die Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL) veröffentlicht Richtlinien zur Stadtbaumpflanzung, die als Grundlage für kommunale Planungen dienen können: fll.de
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