Typische Symptome der Graphiose an Ulmenblättern und Ästen
Symptome der Graphiose (Ulmenkrankheit): verfarbte Blätter und abgestorbene Äste. Foto: Rasbak, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons

Das Ulmensterben, fachsprachlich als Graphiose bezeichnet, zählt zu den folgenreichsten Baumkrankheiten Mitteleuropas. Verursacht wird sie durch den Schlauchpilz Ophiostoma novo-ulmi, der seit den 1970er Jahren eine zweite, virulentere Ausbreitungswelle durchläuft. Für Baumpfleger, Stadtgrün-Mitarbeiter und Baumkontrolleure ist die sichere Diagnose eine Grundvoraussetzung, um befallene Bäume rechtzeitig zu entfernen und das Infektionsgeschehen einzudämmen.

Erreger und Übertragungsweg

Ophiostoma novo-ulmi gehört zur Familie der Ophiostomataceae. Der Pilz produziert Sporen (Konidien), die von Ulmensplintkkäfern der Gattung Scolytus — insbesondere Scolytus scolytus und Scolytus multistriatus — beim Reifungsfrass auf gesunde Bäume übertragen werden. Die Käfer legen ihre Galerien bevorzugt unter der Rinde abgestorbener oder geschächter Ulmen an, wo sich neue Käferpopulationen mit anhäftenden Pilzsporen entwickeln.

Ein zusätzlicher Übertragungsweg besteht über Wurzelverwachsungen benachbarter Ulmen. Stehen mehrere Bäume in einer Reihe, können sich ihre Feinwurzeln miteinander verbinden, was eine direkte Pilzausbreitung ohne Käfer ermöglicht. In Alleen ist dieser Weg besonders relevant.

Wichtig: Die Graphiose ist in Deutschland meldepflichtig. Bei begründetem Verdacht sollte das zuständige Pflanzenschutzamt kontaktiert werden.

Frühsymptome im Überblick

Die Symptomabfolge ist bei O. novo-ulmi in der Regel charakteristisch und lässt sich in mehrere Phasen gliedern:

Gefällter erkrankter Ulmenbaum, Edinburgh
Gefällte Ulme mit fortgeschrittenem Krankheitsbefall, Edinburgh 2011. Foto: Kim Traynor, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons

Differenzialdiagnose

Nicht jedes Welken an Ulmen ist auf Graphiose zurückzuführen. Folgende Erkrankungen und Ursachen können ähnliche Symptome zeigen:

Erkrankung / UrsacheHauptunterschied zur Graphiose
TrockenheitsschädenKeine Braunstreifung im Splintholz; diffuse Blätterwelke ohne „Flag“-Muster
Ulmenläuse (Eriosoma ulmi)Charakteristische Blattrollgallen; kein Holzinnenschaden
Ulmen-Mehltau (Erysiphe ulmi)Weißlicher Belag auf der Blattober-/Unterfläche; keine Leitgefäßschädigung
Wurzelfaule durch ArmillariaSchwammartige Myzeldecken unter der Rinde am Stammfuß; kein „Flag“
Vertikillium-WelkeÄhnliche Leitgefäßstreifung, jedoch meist bei jüngeren Pflanzen und anderen Wirtsbäumen

Labormäßige Bestätigung

Eine Sichtdiagnose allein reicht für offizielle Meldepflichten meist nicht aus. Zur Absicherung werden Holzproben aus dem Grenzbereich zwischen gesundem und befallenem Gewebe entnommen und an ein Pflanzenschutzlabor eingesandt. Dort wird der Erreger auf Selektivnährböden angezüchtet und morphologisch oder molekular (PCR) identifiziert.

Das Julius-Kühn-Institut (JKI) in Berlin bietet über seine Abteilungen Diagnoseunterstützung für Pflanzenschutzämter an. Entsprechende Informationen zu Einsendebedingungen finden sich auf der offiziellen Website des JKI unter julius-kuehn.de.

Vorgehen nach positivem Befund

Wird Graphiose bestätigt, empfehlen die Pflanzenschutz-Richtlinien mehrerer Bundesländer folgende Schritte:

  1. Umgehende Meldung an das zuständige Pflanzenschutzamt
  2. Entfernung des befallenen Baumes bis Spätherbst, um eine Käferentwicklung im Folgejahr zu verhindern
  3. Entsorgung des Holzes als Restmüll oder durch Verbrennung; kein Lagerung als Brennholz in der Nähe von Ulmen
  4. Kontrolle benachbarter Ulmen auf Verbundwurzeln und Symptome
  5. Dokumentation des Fundorts für das kommunale Baumkataster

Weiterführende Informationen: Bundesamt für Naturschutz (BfN) — bfn.de und Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) — galk.de

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Weiterführende Informationen zu resistenten Sorten finden sich im Artikel Resistente Ulmensorten für den Stadtbereich. Programme zur Neuanpflanzung werden in Ersatzpflanzungen in deutschen Städten beschrieben.